Landwasser feiert seinen 50. Geburtstag

 

Landwasser ist 50 Jahre alt, dieses Jubiläum hat der Stadtteil zwei Tage lang gefeiert – mit mehreren verschiedenen Ansätzen.

 

Los ging’s mit einem Musikfestival für Weltoffenheit und Toleranz am Samstag, unter anderem mit Akustik-Pop-Rock von „Multiple Mind“.Foto: Michael Bamberger 

 

50 Jahre Landwasser: Eine eindrucksvolle Ausstellung bot der „Fotokreis Landwasser“. Foto: Michael Bamberger 

 

 

Auch Klassiker wie Kinderschminken gehörten zum Programm.Foto: Michael Bamberger 

 

 

LANDWASSER. Dieses Jahr ist großes Jubiläumsjahr – Landwasser ist 50 Jahre alt. Darum wurde am Wochenende doppelt gefeiert, wenn auch anders, als ursprünglich geplant: Zum Auftakt am Samstag lud das "Haus der Begegnung" (HDB) Bands zu einem Musikfestival ein, das – finanziert von der Stadt – ein Zeichen für "Weltoffenheit und Toleranz" setzen sollte und eher jüngere Gäste anzog. Am Sonntag war, ebenfalls am Platz der Begegnung, Familien-Tag mit buntem, aber nur locker organisiertem Programm, zu dem alle, die wollten, etwas beitragen konnten.

 

 

Emil (3) schaut zu, wie die Dosenpyramide zusammenkracht. Neben ihm in der Spielstraße, die von der städtischen Kita Landwasser aufgebaut wurde, steht sein Urgroßvater Gerhard Haake. Er lebt seit 1974 hier, Emil ist oft bei ihm, wenn seine Eltern Schicht in der Pflege arbeiten. Gerhard Haake war auch am Samstagabend kurz da, als mehrere Musikerinnen und Musiker auftraten.

Unter anderem ein Kurde aus dem Irak mit orientalischer und kurdischer Musik, eine russische Jazz- und Russian-Pop-Sängerin und die Künstler der Musik- und Multimediaschule "Multiple Mind" aus Oberrimsingen, mit einer Sängerin, deren Eltern afrikanische Wurzeln haben. Das Musikprogramm hatte das HDB innerhalb von rund drei Wochen auf die Beine gestellt, erzählt dessen Leiter Harald Pessentheiner: "Wir wollten zeigen, dass es hier ein gutes Nebeneinander der vielen Kulturen gibt." Die Musiker wohnen zwar nicht in Landwasser, doch dafür leben hier genügend andere Menschen, die aus den unterschiedlichsten Ländern stammen. Das Festival war "ein politisches Zeichen", angesichts des hohen Stimmenanteils für die rechtspopulistische AfD bei den Landtagswahlen und der Instrumentalisierungsversuche der Partei bei öffentlichen Veranstaltungen in den vergangenen Wochen (die BZ berichtete). Vor allem aber habe das Musikfestival auch andere als die üblichen Festgäste angelockt – speziell Jüngere.

 

 

Gerhard Haake dagegen war’s zu laut, er blieb nicht lang und fühlt sich am Sonntag wohler. Mit Emil hat er Pommes gegessen – Emils Lieblingsgericht. Das bieten die 21 Helferinnen und Helfer der Narrenzunft "Weiherhexen mit Teufel" an, außerdem Kuchen und Waffeln. "Für uns war’s klar, dass wir mitmachen", erzählt Janine Maier. Ansonsten aber war das Fest im Vergleich zu denen der vergangenen Jahre, als der Bürgerverein ein straffes Programm zusammengestellt hatte, sehr viel offener angelegt. Nach der überraschend bekannt gewordenen Erkrankung und dem Tod des Bürgervereinsvorsitzenden Wolfgang Klinger wandelten sich die ursprünglich auf zwei Tage angelegten Feierpläne zu einer neuen Variante mit einem Tag um, erzählt Reinhard Biermann. Er engagiert sich unter anderem im "Netzwerk Landwasser" und übernahm die Regie für den Sonntag. Statt ein durchgehendes, festes Bühnenprogramm zu planen, überließ er allen selbst, ob und wann sie etwas beitragen wollten. Zum Start sind Kinder der Sportgemeinschaft Landwasser aufgetreten, irgendwann nachmittags wird der "Bettlerchor" erwartet – auch wenn er keinen direkten Bezug zu Landwasser hat. Der Bürgerverein lädt an seinem Stand zu Sekt ein. Gilda Yo, die aus China stammt, und ihre Kolleginnen vom "Internationalen Frauencafé" der Quartiersarbeit präsentieren ein internationales Buffet.

Zu diesen kleinen Bausteinen kamen zwei andere, große, die ebenfalls am Jubiläumswochenende stattfanden: Zum einen lud am Samstag die Szene der "Vertskater" zur Halfpipe am Moosweiher zum "Hot La-Wa-Contest" ein (Bericht folgt am Mittwoch). Zum anderen präsentierte der "Fotokreis Landwasser" die Ergebnisse von zwei Jahren Arbeit im HDB. Die Fotokünstler würden ihre rund 200 Fotos von den Anfängen des Stadtteils bis heute gern noch woanders ausstellen. Ursula Jäger, die Mutter des HDB-Sozialarbeiters Frank Hebda, genannt "Jagger", versinkt vor den Fotos in alte Zeiten: Von 1983 bis 1994 lebte sie in Landwasser. Sie erinnert sich sehr gern daran.